Der eine hat einen Hof, der andere bald keinen mehr ...

Hof-Eigentümer Dietrich Lange (rechts) ist auf Hof Imhorst aufgewachsen. Nach einer Ausbildung zum Landwirt schlug er aber eine pädagogische Laufbahn ein. Sein Vater gab 1980 die Landwirtschaft auf und verpachtete die Flächen. Zuletzt fragte sich Dietrich immer öfter: Was kann ich mit meinem Hof tun?

Martin Clausen dagegen ist seit 30 Jahren Bio-Gemüsebauer. Er muss seinen Betrieb in Delmenhorst aufgeben, weil eine Straße gebaut wird. Über ein Internetportal suchte er eine Ausweichmöglichkeit. Dort lernte er Dietrich kennen. Die beiden merkten schnell: Das kann klappen!

Martin Clausen und Dietrich Lange

Jetzt machen sie gemeinsame Sache. Und was für eine: Dietrich bringt Hof Imhorst samt Gebäuden und gut 17 Hektar Fläche in eine Stiftung ein. Martin packt die Entschädigung für den Straßenbau drauf. Und fängt schon diesen Sommer an zu bauen: ein großes Gewächshaus, ein Regenrückhaltebecken für die Bewässerung.

Später kommt noch ein Gebäude für die Gemüseverarbeitung dazu. Die ersten Flächen sind bereits in der Bio-Umstellung. Im Frühjahr nächsten Jahres will Martin auf Hof Imhorst das erste Bio-Gemüse ernten.

von links: Luise Heiden, Miriam Sachs und Hauke Kurth



Damit das auch klappt, baut Martin vor dem Start noch was anderes auf: Eine Betriebsgemeinschaft mit viel Know-how und Lust auf Landwirtschaft. Wie Luise Heiden als Spezialistin für artgerechte Tierhaltung. Sowie Miriam Sachs und Hauke Kurth, zwei junge Gemüse-Fachleute.



Treuhandstiftung und die Regionalwert AG


Formell geht das Ganze so:

Der Hof wird als Hof-Imhorst-Treuhandstiftung gegründet. Verwaltet und begleitet von der Regionalwert Stiftung Hamburg.

Die Betriebsgemeinschaft pachtet dann die Flächen von der Hof-Imhorst-Stiftung. Erzielt die Stiftung Überschüsse, kann sie sie gemeinnützig verwenden, etwa für ökologische Bildungsarbeit oder Naturschutz.

Dadurch wird der Hof dauerhaft ökologisch bewirtschaftet werden. Er kann nicht mehr verkauft oder aufgeteilt werden und Bildung und Naturschutz werden gefördert. Arbeitsplätze entstehen. Und neues Leben im Dorf!

Das Stiftungs-Modell ist für Höfe interessant, die keine Nachfolgerin und keinen Nachfolger in der Familie haben – und die gleichzeitig erhalten werden sollen statt verkauft oder verpachtet.

Aber nicht nur in der Landwirtschaft. Auch in anderen Sektoren stößt das Modell auf großes Interesse, Stichwort Verantwortungseigentum.

Und da es im Raum Bremen bisher noch keine Regionalwert AG gab, ist Martin Clausen mit einigen anderen MitstreiterInnen gerade dabei, die Regionalwert AG Bremen & Weser-Ems zu gründen.